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„Für unser Gesundheitssystem werden wir weltweit beneidet. Um dies zu erhalten und auch weiterzuentwickeln, bedarf es jedoch weiterer harter Arbeit.“Mario Czaja

 

Über unsere Gesundheit denken wir häufig erst nach, wenn es uns nicht so gut geht. Gerade dann ist es erforderlich, dass die ambulante Versorgung möglichst wohnortnah vorhanden ist. Am Beginn meiner Amtszeit als Gesundheitssenator habe ich allerdings eine Versorgungslandschaft vorgefunden, die sehr unübersichtlich und unterfinanziert war. Gesundheitsförderung und Prävention wurden nur in einzelnen Segmenten vom Land gefördert. Haus- und Fachärzte konnten sich ohne Berücksichtigung der Bedarfslage und der Sozialstruktur berlinweit niederlassen. Dies führte zu Konzentrationen von Ärzten in einigen Teilen in Berlin und in anderen zu Unterversorgung. Gleichzeitig überlastete die schlecht organisierte ambulante Notfallversorgung die Rettungsstellen der Berliner Krankenhäuser. Berlins Krankenhäuser erhielten im bundesweitem Vergleich die geringsten Investitionsmittel. Patienten wurden an den Übergängen der Versorgungsbereiche allein gelassen.

Es war daher ein richtiges Zeichen, dass Berlin eines der ersten Bundesländer war, welches die mit dem 2012 inkraftgetretenen Versorgungsstrukturgesetz entstandene Möglichkeit für Änderungen an der ambulanten Bedarfsplanung nutzte. Gemeinsam mit den Krankenkassen, der für die Zulassung von Arztsitzen zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung und Patientenvertretern habe ich mich für eine neue Steuerung bei der Vergabe von Arztsitzen eingesetzt. Seit 2013 erfolgt die Verteilungssteuerung von Arztsitzen nicht mehr berlinweit, sondern auf Bezirksebene. Dabei entscheiden der aktuelle Versorgungsgrad und die Sozialstruktur, in welchem Bezirk sich ein Arzt niederlassen darf. Damit wurde erfolgreich sichergestellt, dass Umzüge von Ärzten grundsätzlich nur noch in schlechter versorgte Bezirke möglich sind.

Insbesondere Marzahn-Hellersdorf profitierte davon. Von 159 berlinweit verlegten Arztsitzen wurden allein 16 nach Marzahn-Hellersdorf verlegt. Ein Beispiel hierfür ist das neu entstandene Ärztehaus am UKB. Damit konnten wir die wohnortnahe ambulante Versorgung stärken. Wir sind allerdings noch nicht am Ziel. In Zukunft werden Verlegung von Arztsitzen daher nur noch in die drei am schlechtesten versorgten Bezirke erlaubt sein.

Arztsitze

 

Eine wohnortnahe medizinische Versorgung ist auch wichtig, da gerade in Marzahn-Hellersdorf der Anteil älterer Menschen in den kommenden Jahren besonders ansteigen wird. Unser Bezirk und insbesondere die Stadtteile Kaulsdorf und Mahlsdorf werden in den kommenden Jahren berlinweit den höchsten Zuwachs in der Altersgruppe ab 65-Jahre verzeichnen; ihr Anteil steigt um fast 80 Prozent. Bei der Altersgruppe der 80-Jährigen und Älteren wird sogar ein Wachstum von mehr als 120 Prozent bis 2030 erwartet. Ein Drittel der über 80-Jährigen haben heute einen Pflegebedarf. Ich habe mich daher auch für die Stärkung der Angebote der stationären Versorgung in unserem Bezirk eingesetzt. Dafür haben wir u. a. die Investitionsmittel für die Krankenhäuser fast verdoppelt. Für den Bezirk bedeutete dies konkret, dass der Standort des Krankenhaus Kaulsdorf erhalten werden konnte und über 35 Mio. € in die Sanierung investiert wurden.

Die Versorgung in unserem Bezirk wurde auch auf die Herausforderung der alternden Gesellschaft ausgerichtet. Mit dem Krankenhausplan 2016 haben wir mit Blick auf das Prognosejahr 2020 insgesamt 2.042 geriatrische Betten aufgenommen, das sind über 300 Betten mehr als im Krankenhausplan 2010. Dabei wurden im Krankenhaus Kaulsdorf entsprechende Kapazitäten geschaffen und mit einer neuen Akutgeriatrie (weitere Informationen siehe hier) im Umfeld des UKB entsteht ein darauf spezialisiertes Krankenhaus.

Geriatrie

Wir haben die Rettungsstellen durch die Einführung so genannter Portalpraxen entlastet. Jetzt können diejenigen, die nur deshalb in der Rettungsstelle sind, weil kein niedergelassener Arzt erreichbar ist, in einer ambulanten Arztpraxis im Krankenhausgebäude behandelt werden. Die erste Portalpraxis Berlins ist übrigens in Marzahn entstanden. Das bedeutet kürzere Wartezeiten für die Patienten und die Rettungsstellen der Krankenhäuser können sich auf die stationären Notfälle konzentrieren.

Ein zusätzliches Schlaganfallmobil (ein sog. STEMO) mit Standort am UKB wird dafür sorgen, dass auch unser Bezirk von einer schnelleren Schlaganfallversorgung profitieren wird.

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Mit diesen Maßnahmen haben wir die Qualität der medizinischen Versorgung in unserem Bezirk und in ganz Berlin nachhaltig gestärkt. Von jungen Jahren an bis ins hohe Alter ist eine wohnortnahe Versorgung auf hohem Niveau sichergestellt.

Die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Pflege gelingt zudem nur, wenn auch mehr für die Pflegekräfte getan wird. Ich selbst komme aus einer Familie, in der sehr viele in der Pflege täglich arbeiten. Ich werde daher nicht nur in der Verwaltung jeden Tag daran erinnert, mehr für die Pflegekräfte zu tun. Durch die Vergütungssteigerungen von über 12% in der ambulanten und stationären Pflege oder auch durch die Abschaffung des Schulgeldes in der Altenpflegeausbildung, konnte konkrete Verbesserung erreicht werden. Ich streite zudem für die Einrichtung einer Pflegekammer, damit die Pflegekräfte auf Augenhöhe mit den anderen Heilberufen und deren Kammern (Ärztekammer, Psychotherapeutenkammer, Zahnärztekammer und Apothekenkammer) für ihr Arbeitsbedingungen und Berufsordnung eintreten können.

Mit dem Haus der Pflege am UKB als so genanntes „Smart living center“ wird ein Ort geschaffen, wo nicht nur entsprechende Beratungsangebote bestehen werden, sondern mögliche technische Unterstützungshilfen in der praktischen Anwendung gezeigt werden.

Besonders am Herzen liegt mir das Projekt 80 Plus. Mit dem bundesweit einzigartigen Projekt möchte ich u. a. die oben genannten Maßnahmen mit dem Ziel zusammenführen, die Übergänge zwischen den Versorgungsbereichen zu verbessern wie bspw. beim Übergang vom Krankenhaus zum Haus- oder Facharzt oder vom Krankenhaus ins Seniorenheim. Denn was nützt mir das beste Krankenhaus, wenn der Übergang zum niedergelassenen Arzt oder in die Reha nicht funktioniert.

Für unser Gesundheitssystem werden wir weltweit beneidet. Um dies zu erhalten und auch weiterzuentwickeln, bedarf es jedoch weiterer harter Arbeit. Dies habe ich als Senator sehr gern getan und setze es gern fort.