Mit Humboldt über den Tellerrand schauen

Die Entscheidung zur Verschiebung des Baubeginns am Humboldt-Forum auf dem Schlossplatz war schmerzlich. Nun müssen wir die Zeit bis 2013 nutzen, um das Projekt voranzutreiben. Berlin und Deutschland brauchen diesen kulturellen Ort im Herzen der Republik. 

Als am Montag die Details des Sparpakets der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, gingen verschiedene Gedanken durch meinen Kopf. Ja, es muss gespart werden. Der Weg des vermeintlich geringeren Widerstandes in Form von höheren Einnahmen des Staates bringt uns auf Dauer nicht voran. Eine höhere Effizienz von staatlichen Ausgaben ist notwendig. Dort, wo Sparen konkret wird, tut es meistens auch weh. Aber wir dürfen auch nicht an der falschen Stelle sparen, um die Erholung der deutschen Wirtschaft nicht zu gefährden. Die Richtung des Sparpakets stimmt also. Und dann war da aber auch die Entscheidung der Bundesregierung, den Baubeginn des Humboldt-Forums auf dem Schlossplatz um 2 Jahre nach hinten zu verlegen. Das tat weh. Sowohl Berlin als auch Deutschland brauchen diese kulturelle Einrichtung im Herzen der Republik. Berlin braucht die neue Alte Mitte. Warum? Weil die Erinnerung an das alte Berlin wichtig ist. Einer Stadt ohne Erinnerung an ihre Geschichte fehlt eine gemeinsame Identität. Berlin hat sich in den letzten 120 Jahren rasant verändert. Er braucht Orte der Kontinuität. Das Gebiet vom Brandenburger Tor bis zur Marienkirche ist ein solcher Ort. Hier muss die Berliner Geschichte lebendig bleiben.

Aber auch Deutschland braucht diesen Identifikationspunkt im Herzen seiner Hauptstadt. Das Humboldt-Forum ist nicht ausschließlich eine Angelegenheit Berlins. Die Idee, hier im Herzen der Republik, einen Ort zu schaffen, wo die Kulturen der Welt präsentiert werden, zeigt die Aufgeschlossenheit und Neugier des modernen Deutschlands. Mit dem Humboldt-Forum vollendet sich auch die Idee der Museumsinsel. Ein weltweit einzigartiges Ensemble würde entstehen. Ein Ort, wo Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit sich positiv befruchten. Deshalb ist auch die Fassade des alten Stadtschlosses ein wichtiger Punkt bei der Idee des Humboldt-Forums.

Zum Glück hat die Bundesregierung klar gestellt, dass am Bau an sich nicht gerüttelt wird. Die überwältigende Mehrheit des Bundestages hat 2002 die Idee unterstützt. Dabei bleibt es auch. Nun können wir die Zeit bis 2013 nutzen, um das Konzept des Humboldt-Forums konkreter zu machen. Und wir können weiter für die großartige Idee, die hinter dem Bau steht, werben. Ich bin mir sicher, dass wie in Dresden oder Potsdam die Begeisterung für dieses Projekt noch weiter wachsen wird. Die Idee, an einem zentralen Ort, im Sinne Humboldts über den deutschen und europäischen Tellerrand hinauszuschauen, ist einfach zu faszinierend.