Lotto-Stiftung sichert ein dauerhaftes Gründerzeitmuseum

Die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin bewilligte kürzlich einen Antrag des Fördervereins Gutshaus Mahlsdorf auf 50.000 Euro. Dieser Betrag wurde erforderlich, um das Grundstück zu kaufen, auf dem das Gutshaus steht. 

Als Mitglied des unabhängigen Stiftungsrats freue ich mich ganz besonders, dass ein renommiertes Projekt aus meinem Heimatbezirk zur Förderung ausgewählt und dadurch langfristig erhalten werden konnte.

Das fast zweihundertjährige Gutshaus Mahlsdorf blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Inzwischen zieht es als international bekanntes Gründerzeitmuseum Gäste aus aller Welt an, die sich für die Sammlung von Gegenständen aus der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts und das bewegte Leben von Charlotte von Mahlsdorf interessieren. Manchmal dient es als Ort für Film- und Fernsehproduktionen oder Theateraufführungen, seit 1998 haben hier viele Paare den Bund der Ehe geschlossen. Der Name Mahlsdorf wird hinausgetragen in die Welt – nicht zuletzt durch das dem Leben von Charlotte gewidmete Theaterstück „I am my own wife“ (Ich bin meine eigene Frau) des texanischen Autoren Doug Wright. Zurzeit wird es z. B. in Südkorea aufgeführt.

Doch das war nicht immer so. 1960 wurde das private Museum durch Charlotte von Mahlsdorf eröffnet, 1972 von der DDR als Denkmal anerkannt und kurz nach dem Mauerfall durch die Gründerin rechtmäßig erworben. 1995 schlossen sich die Tore, um zwei Jahre später durch den neu gegründeten Förderverein Gutshaus Mahlsdorf e.V. wiedereröffnet zu werden. Durch großen persönlichen Einsatz konnte der Verein das Gutshaus im Jahre 2002 kaufen und die Sammlung aus Schweden zurückführen.

Nun bahnte sich eine weitere Hürde an: Der Liegenschaftsfonds setzte dem Verein eine Frist, in der er das Grundstück, auf dem das Gutshaus steht, erwerben müsse. Hintergrund ist das Sachenrechtsbereinigungsgesetz (SachenRBerG), das im Rahmen des Wiedervereinigungsprozesses verabschiedet wurde, um die Rechtsverhältnisse über die bauliche Nutzung von Grundstücken in den neuen Bundesländern an die Sachenrechtsordnung der alten Bundesländer anzupassen. In der DDR war die bauliche Nutzung eines Grundstücks nicht an das Grundeigentum geknüpft, sie beruhte manches Mal lediglich auf einer öffentlich-rechtlichen Nutzungsanweisung oder einer formlosen Gestattung. Der Liegenschaftsfonds forderte nun, dass Grund und Boden dem Haus zugeführt werden.

Das Museum muss sich finanziell selbst tragen und wird weitestgehend ehrenamtlich betreut. Der Verein sah sich nicht in der Lage, die erforderlichen 50.000 Euro aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Das Gründerzeitmuseum erhält – abgesehen von den anteiligen Betriebskosten für den Teil der Sammlung, der der Stadt Berlin gehört – keine weiteren Fördermittel, muss ein laufendes Darlehen für das Haus abzahlen und monatliche Betriebskosten aufbringen. Da keine Eigenmittel zur Verfügung standen, stellte der Verein im März dieses Jahres den Antrag auf Förderung bei der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Die nun bewilligte Summe setzt sich zusammen aus dem Kaufpreis (39.300,00 Euro), der Grunderwerbssteuer (2000,00 Euro), dem Kaufvertrag (1500,00 Euro) und den Notarkosten (1200 Euro).

Durch die Förderung kann nicht nur die eingeforderte Rechtsbereinigung durchgeführt, sondern auch ein letzter notwendiger Schritt vollzogen werden, um das Museum dauerhaft auf dem Grundstück zu erhalten. Das Gründerzeitmuseum repräsentiert Mahlsdorf weit über die Grenzen Berlins hinaus und steht mit seiner Geschichte für Toleranz und gute Nachbarschaft – Werte, die allen Kaulsdorf-Mahlsdorfern wichtig sind.

Wenn der Sommer wieder einen regnerischen Tag bereithält, nutzen Sie doch die Gelegenheit, das Haus zu besuchen! Es ist mittwochs und sonntags von 10 bis 18 Uhr oder nach vorheriger Vereinbarung unter der Telefonnummer 030-5 67 83 29 geöffnet.