Krankheit, Unfall, Pflege – was nun? – VDGN Podiumsdiskussion in Kaulsdorf

„Wir haben in unserem Gesundheitssystem zwar sehr gute Einzelspieler, aber keine Nationalmannschaft.“Mario Czaja

Unser Bezirk und insbesondere die Stadtteile Kaulsdorf und Mahlsdorf werden in den kommenden Jahren berlinweit einen besonderen hohen Zuwachs mit rund 80 Prozent in der Altersgruppe ab 65-Jahre verzeichnen. Bei der Altersgruppe der 80-Jährigen und Älteren wird sogar ein Wachstum von über 120 Prozent bis 2030 erwartet. Das heißt zunächst einmal, dass sich ein lang gehegter Menscheitstraum für viele erfüllt: Wir gewinnen immer mehr an Lebensjahren. Dennoch nimmt mit zunehmendem Alter auch das Risiko zu, gesundheitliche Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Ein Drittel der über 80-Jährigen sind pflegebedürftig.

Dank der guten gesundheitlichen und pflegerischen Versorgungsangebote in unserem Bezirk und neuer technische Assistenzsysteme ist trotz gesundheitlicher Einschränkungen ein selbstständiges Leben möglich. Die Mehrheit wünscht sich ein möglichst langes Leben in den eigenen vier Wänden bzw. im eigenen Kiez. Die gute Nachricht ist: In Berlin ist dies bereits jetzt schon für den Großteil der älteren Pflegebedürftigen Realität. Über Dreiviertel werden im häuslichen Umfeld entweder von Angehörigen oder professionellen Pflegediensten gepflegt.

Pflegebedürftigkeit geht für viele – sowohl Betroffene als auch deren Angehörige – mit zahlreichen Fragen einher. Daher lohnt es, sich frühzeitig mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Der VDGN hat hierfür eine extra Fachgruppe Pflege gegründet. Sie widmet sich einem breiten Spektrum von allen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Pflegeversicherung, in Sachen Patientenverfügung/ Vorsorgevollmacht, oder auch technischen Assistenzsystemen.

Ich bin daher gerne der Einladung der Fachgruppe Pflege des VDGN gefolgt, um gemeinsam mit Eckhart Beleites, Ute Brach, Ulf Mätzig und vielen Kaulsdorfern und Mahlsdorfern zum Thema Pflege ins Gespräch zu kommen. Ein paar zentrale Begriffe habe ich Ihnen hier zusammengestellt.

Patientenverfügung

Mit der Patientenverfügung legen Sie fest, welche Behandlungsschritte Sie im Falle eines Unfalls wünschen oder auch nicht wünschen. Sie gibt Ärzten und Ihren Angehörigen die Sicherheit, Sie so zu behandeln, dass es Ihren Vorstellungen entspricht. Sie sollte unbedingt eine persönliche Note haben, um nachzuweisen, dass Sie sich selbst mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt haben. Darüber hinaus sollte sie so detailliert wie möglich sein und alle zwei Jahre erneuert werden. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht zwingend notwendig, allerdings empfehlenswert, da damit nachgewiesen werden kann, dass es sich um Ihren Willen handelt.

Vorsorgevollmacht

Die Vorsorgevollmacht ist die Bevollmächtigung einer Person für die Vertretung Ihrer Interessen, sofern Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind.

Pflegestützpunkte

In Pflegestützpunkten des Landes und der Pflegekassen können Sie sich über Aspekte rund um das Thema Pflege informieren. Dies umfasst konkrete Unterstützungssysteme, deren Finanzierung sowie Hilfestellung bei der Beantragung von Leistungen. Nach langem Stillstand wurden die Angebote nachdem die CDU 2011 in Regierungsverantwortung gewählt wurde weiter ausgebaut. Der neuste Pflegestützpunkt ist am ukb entstanden.

Fachstelle für pflegende Angehörige

Über 50% der Pflegebedürftigen Menschen in Berlin werden durch Angehörige gepflegt. In der Fachstelle erhalten Sie alle Informationen, um Sie darin zu unterstützen und bei auch zu entlasten.

Pflegeunterstützungsverordnung

Neben den bisher anerkannten niedrigschwelligen Betreuungsangeboten können Pflegebedürftige, die zu Hause betreut werden, durch die Neuregelung künftig auch Entlastungsleistungen zur Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben in der häuslichen Umgebung in Anspruch nehmen. Für das gesamte Spektrum der Angebote stehen ab 2017 einheitlich 125 € monatlich zur Verfügung. Derzeit werden 104 € monatlich, in Einzelfällen bis zu 208 € übernommen.